Die Wölbäcker

Wölbäcker sind Zeugen mittelalterlichen Ackerbaus.

Mittelalterliche Ackerbau-Kultur

 

Die Landschaft unserer Heimat hat sich im Laufe der Jahre stark verändert. Dort wo früher der Wald gerodet wurde, um Weidefläche für das Vieh zu bekommen, stehen heute wieder Bäume. Büsche und Hecken haben sich Täler und Bachläufe zurückerobert. Es gibt fast keine Spuren früherer traditioneller Kulturlandschaften wären da die Wölbäcker nicht.

 

In Tombinambur- und Spargelfeldern wird man nicht fündig werden. Auf dem freien Feld sind die Wölbäcker im Laufe der Jahre eingeebnet worden. Im Schutz des Waldes jedoch kann man sie sichtbar antreffen. Das Vorkommen von Wölbäckern erstreckt sich auf die Gemeinden Sandweier, Iffezheim, Hügelsheim und Söllingen. Hier liegt die Stollhofener Platte, eine Niederterrasse geprägt von Schotter, Kies und Sand. Sie ist etwa 15 Kilometer lang und bis zu vier Kilometer breit. Eine Besiedlung nahe am Rhein haben die Menschen lange gemieden. In sicherem Abstand zum Fluss wurde Wald gerodet für die Viehweide und für Ackerland. Hier entstanden Wölbäcker, die kulturgeschichtlich für uns heute einmalig sind. Nun hat sich manchem Leser vielleicht schon die Frage gestellt: Was sind eigentlich Wölbäcker? Eine nicht ganz eindeutige Antwort gibt Schwerz in seiner Beschreibung der Landwirtschaft im Nieder-Elsaß 1816. Er nennt diese Ackerfluren ein gräßlicher und unverzeihlicher Fehler bei dem Pflügen findet in der Fläche oberhalb Straßburg statt, wie wol auch hier mehr oder weniger, nach Verschiedenheit der Gemeinden. Wer sollte glauben, daß man in diesen von der Hand der Natur so schön geebneten Garten oft nichts als Berge und Thäler sieht, welche die ungeschickte Hand des Pflügers, oder vielmehr der Mangel an Überlegung hervorgebracht hat? Schwerz versteht unter einem Ackerbeet ein gepflügtes aber flaches Feld und nicht eine Landschaft, die wie lange Grabhügel daliegt. Er wundert sich über die eigenartigen Äcker mit ihren Hügeln die für ihn so gar keinen Sinn machen. Er meint sogar…man hätte beinahe eine Leiter nöthig, um von einem Stücke über das andere wegzukommen.

 

Nun, wie wir heute wissen, entstanden die Wölbäcker durch die Bearbeitung des Ackerbodens mit dem Streichbrettpflug. Die Ackerscholle konnte mit diesem Pflug nur in eine Richtung geworfen werden. Bei dieser Pflugtechnik entstand zuerst die mittlere Furche, dann die benachbarten, wobei das Erdreich immer zur Mitte des Beetes hin gewendet wurde. War das Beet fertig gepflügt, so legte man in einer bestimmten Entfernung zur ersten eine neue Mittelfurche an. Diese Äcker können bis zu einem Kilometer lang sein und die Wölbungen erreichen heute noch eine Höhe zwischen 40 und 60 cm. Nach Meinung des verstorbenen Rektors Karl Bruckner ist die alte Straße von Hügelsheim nach Sandweier, Römerstraße genannt, deutlich älter als die auf beiden Seiten der Straße liegenden Wölbäcker. Sie führt in keinem Teil über die Äcker, sondern dient als Ackergrenze. Er ist der Meinung, dass diese Art der Ackerbearbeitung bereits im Mittelalter angewandt wurde. Die Äcker hat man eben nur bis an die Straße angelegt, weil man diesen Weg brauchte.

 

Bis zu Beginn des Dreißigjährigen Krieg lässt sich eine intensive Landwirtschaft nachweisen. Der innereuropäische Konflikt um Macht und Religion griff schnell von den Schlachtfeldern auf Städte, Dörfer und Gemeinden über. Als Folge dieses Krieges entstanden Wüstungen. Ganze Dörfer waren zerstört und Landstriche verödet. Die Menschen waren tot oder in ihrer Verzweiflung geflohen und haben ihr Eigentum zurückgelassen. Die Felder lagen brach. Hecken, Büsche und Bäume holten sich das Land zurück. Die Wölbäcker gerieten in Vergessenheit. Im 19. Jahrhundert begann man dann mit einer gezielten Forstwirtschaft, um dem wilden Wachstum Einhalt zu gebieten. Die Wölbäcker auf dem offenen Feld sind schon lange eingeebnet. Sicher hat man auch beim Anlegen einer Kiesgrube oder einer Straße nicht auf die ungewöhnliche Bodenform geachtet. Im Wald haben sie sich dort erhalten, wo der Mensch nicht zu oft eingreift.

 

In Hügelsheim nimmt man den Weg, der am Friedhof entlang an den Feldern in Richtung Wald führt. Schon nach ein paar Metern im Wald kann man die unzähligen parallel verlaufenden Bahnen der Hochäcker erkennen. Hier im Schutz des Waldes stehen wir vor den kulturgeschichtlichen Zeugen der Vergangenheit, den Wölbäckern.

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