Steinmauern

Der Rheinverlauf um 1750.

Steinmauern

 

Sie kamen als Soldaten, brachten Händler und Kaufleute mit. Sie fanden das Gebiet um den Rhein schauerlich und schrecklich und dachten am anderen Ufer wohnten nur Barbaren. Irgendwann trauten sie sich dann doch auf die andere Seite und entdeckten die heißen Quellen von Baden-Baden. Sie bauten eine Straße nahe am Fluss und sicherten sich ab durch Kastelle die mit Wachposten besetzt wurden.

 

Die Rede ist hier von den Römern, deren Anwesenheit in Steinmauern durch eine Merkurstatuette, einer gut erhaltenen Öllampe und einiger Münzfunde nachge-wiesen wurde. Wahrscheinlich benutzten sie Steinmauern nur als Durchgang, zogen weiter nach Au am Rhein und überquerten hier den Fluss um nach Saletio (Seltz) zu gelangen. Nach den Römern kamen die Alemannen und dann die Franken. Die älteste schriftliche Urkunde stammt aus dem Jahr 1239, in der ein scultetus de Steinmur (Schultheiß) genannt wird. 1288 beurkundet Markgraf Rudolf II. nach dem Ableben seines Vaters eine vorgenommene Landesteilung. Bekommen hat er die Burg Eberstein, die Burg Weißenstein, die Stadt Baden, Kuppenheim und Steinmauern. Auch die westlich gelegene Siedlung Mervelt wurde in dieser Urkunde noch erwähnt. Um 1405 ist der Ort wohl abgegangen.

 

Steinmauern liegt 110 Meter über dem Meeresspiegel  und im Überschwem-mungsgebiet des Rheines. Auf einer Karte von 1601 sind zwischen Seltz und Steinmauern zahlreiche Inseln zu sehen. Ein Flussarm wurde als „Morigen-Rhein“ bezeichnet und man vermutet, dass er die fünf Rieddörfer auf die andere Seite verlegt hat. Der Rhein war launisch und sorgte immer wieder für Grenzstrei-tigkeiten mit den Nachbarn. Ein Vertrag  aus dem Jahre 1512 zwischen Kurfürst Ludwig und Markgraf Christoph sprach den Steinmaurern den Zollerwört zu. Mit großer Mühe wurde gerodet und die Wiesen „verhägt“ (eingezäumt). Aber den Münchhausener war das egal. Sie rissen die Häge weg und „etzten mit ihrem Vieh alles gestellte Gras und anderes auf“. Nach jedem Hochwasser kam es zu Zwistigkeiten und beide Seiten griffen auch zu Gewaltmaßnahmen. Sie fingen gegenseitig das weidende Vieh ein, mähten das Gras ab, rissen Zäune ein und gruben Grenzsteine aus, um sie zu versetzen.

 

Auch über die Ausübung des Fischereirechts gab es immer wieder Ärger. Das Fischwasser wurde von der Herrschaft verpachtet. Der Fischfang musste dem herrschaftlichen Küchenmeister in Baden angezeigt werden. Der Herrschaft stand auf jeden Fall der Vorfisch zu. Gefangen wurden damals Hecht, Karpfen, Barben, Brassen, Grundeln, Neunaugen und Krebse. Zum Fischfang wurden Garne, Netze oder Reusen benutzt. Mit den Fischgründen nahm man es oftmals nicht so genau und versuchte sein Glück auch mal in der Nachbarschaft. Blieb das nicht unbemerkt, rächte sich das natürlich. Die Reusen wurden in den Rhein geworfen und die gerichteten Gerten wurden einfach mitgenommen. Jahrelange Streitereien zogen sich zwischen den Gemeinden hin und her. Die Schuld trug eigentlich der Rhein, der dort ein Stück Land wegnahm und es woanders wieder anfügte. Diese Streitigkeiten um die Fischereigründe lassen erkennen, wie wichtig diese Einnahmequelle war. Ganze Familien haben sich davon ernährt.

 

 

Wie in anderen Dörfern am Rhein wurde auch in Steinmauern das Goldwäschen ausgeübt. Goldgründe am Rhein werden urkundlich schon im Jahre 1345 erwähnt. In einem Kaufbrief des Klosters Schwarzach wurden verschiedene Wörthe (Inseln) verkauft. Die darauf liegenden Goldgründe behielt sich das Kloster vor. In diesem Kaufvertrag steht unter Artikel 6: „daß das Golden einem Abt zu Schwarzach, wie es auch daselbig von altershergebracht, bleiben“ soll. Die Goldwäscherei war an die Erlaubnis durch die Obrigkeit gebunden. Später galt das Gold als Staatseigentum. Es musste an die Münze in Karlsruhe geliefert werden und der Goldwäscher erhielt dafür seinen Lohn. Die Goldgründe waren an niedrigen und von ruhigem Wasser umflossenen Ufern zu finden. Nach einem Hochwasser wenn der Wasserspiegel sich langsam senkte, waren die Erträge umso reicher. Ein geübter Goldwäscher erkannte die kleinen Goldblättchen zwischen Sand und Schlamm. Die Ausrüstung war einfach. Sie bestand aus einer Waschbank, einer Schaufel, einer Wasserschöpfe und einem Kübel. Die Arbeit dagegen um so anstrengender. Nach der Rheinregulierung rentierte sich Goldwäschen im Rhein nicht mehr. Ein uraltes Gewerbe starb aus.

 

Angenommen man könnte auf dem achteckigen Glockenturm der kath. Pfarrkirche „Kreuzerhöhung“ einen Blick auf Steinmauern werfen. Was würde man da zu sehen bekommen? Eine langgezogene Landstraße an der die Häuser wie Perlen aufgereiht stehen. Von der Hauptstraße abgehend haben sich neue Wohngebiete angesiedelt. Der Blick geht über grüne satte Wiesen und dazwischen Streifen von angebautem Ackerland. Die Murg schlängelt sich brav in ihrem Bett in Richtung Rhein. Rechts der Murg liegt der Goldkanal, der im Sommer als Naherholungsgebiet dient. Der Blick geht weiter zum Naturschutzgebiet Silberweidenwald und man sieht den Rhein als glitzerndes Band.

 

Steinmauern: Ein liebenswertes Dorf am Rhein.


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