Iffezheim Die Staustufe

Der Iffezheimer Reiter. Ein Fundstück aus einer längst vergangenen Zeit.

Die Rheinstaustufe Iffezheim und der Lachs kehrt heim

 

Wie zuvor berichtet, bestand der Rhein früher aus zahlreichen Wasserschlingen und nahm mitunter eine Breite von bis zu 3 km ein. Der ständig mäandrierende Fluss war eine stete Gefahr für die Menschen in der Rheinebene. Die Gemeinden am Rhein mussten immer wieder um ihr Leben, um Hab und Gut gegen das Wasser ankämpfen. Es wurde Zeit, dass hier eine längerfristige Möglichkeit gefunden wurde das wilde Gewässer in ruhigere Bahnen zu lenken. Im Jahr 1804 erteilte Markgraf Karl Friedrich den Auftrag zur Rheinkorrektion. Der Ingenieur Johann Gottfried Tulla legte 1809 erste konkrete Pläne vor. Seine Vision war, mit Durchstichen an genau festgelegten Stellen den Fluss in ein einziges schnurgerades Bett zu zwingen, um die Menschen vor weiterem Hochwasser zu schützen. Auch die ständigen Grenzstreitigkeiten zwischen den am Fluss liegenden Gemeinden nach jedem Hochwasser würden dann endlich ein Ende finden. Tulla begann in ersten Schritten seine Pläne umzusetzen. 1928 starb er in Paris an einer schweren Krankheit. Der Wasserbauingenieur Max Honsell verwirklichte die Pläne Tullas.

 

So sinnvoll und nützlich die Rheinkorrektion war, sie brachte auch Nachteile. Die Abflussgeschwindigkeit des Rheinwassers erhöhte sich und bewirkte, dass der Fluss sich immer tiefer in sein eigenes Flussbett eingrub. Diese Sohlenerosion hatte Auswirkungen auf die Schiffbarkeit des Flusses und sie senkte den Grundwasserspiegel. Zwischen Basel und Breisach trockneten Altrheinarme aus. Die Auswirkung war, es fehlten die notwendigen Überschwemmungsgebiete, was wiederum eine Gefahr für die Dörfer am Rhein bedeutete. Man musste etwas tun. Zunächst wurde der Bau mehrerer Staustufen beschlossen. Auf diese Weise sollte die Fließgeschwindigkeit verringert werden Als dabei entstehender positiver Aspekt wollte man die Wasserkraft zur Stromerzeugung nutzen. Den Anfang bildeten 1928 vier Kraftwerke im Grand Canal d` Alsace. 1956 folgten vier weitere Wasserkraftwerke. Sie wurden als Schlingenlösung in den Flusslauf integriert.

 

Damit war das Problem aber nicht gelöst. Es hatte sich nur weiter rheinabwärts zwischen Straßburg und Karlsruhe verlagert. Um größere Schäden in Land- und Forstwirtschaft und in der Wasserwirtschaft zu vermeiden, einigten sich Frankreich und Deutschland in einem Staatsvertrag vom 4. Juli 1969 zum Bau eines gemeinsamen Großprojektes. Den Bau einer Staustufe bei Gambsheim, einer weiteren zwischen Beinheim und Iffezheim und dem Ausbau des Rheinbettes unterhalb der Staustufe Iffezheim. So sollte eine weitere Erosion verhindert werden und ideale Bedingungen für den Schiffsverkehr geschaffen werden. Ein großer Tag war der 26. März 1977. Der Damm zwischen Baden und dem Elsass wurde geschlossen und die ersten Schiffe benutzten die neue Schleuse. Der Oberrhein zwischen Basel und Karlsruhe ist eine pulsierende Lebensader. Etwa 40 000 Schiffe passieren jährlich die Schleuse.

 

Doch es geht weiter. Neue Technik – neue Zukunft. Die Rheinkraftwerke Iffezheim GmbH (RKI)sowie seine Anteilseigner die EnBW Kraftwerke AG und der EDF Electricité de France werden mit einer Investitionssumme von 100 Millionen € das RKI zu einem der größten Laufwasserkraftwerke Europas ausbauen. Seit dem Jahr 2009 baut die EnBW im Rheinkraftwerk eine fünfte Maschine ein. Die Anlage wird dann fähig sein, weitere 122 Millionen Kilowatt Strom zu erzeugen. Umweltfreundlichen Strom allein erzeugt durch die Wasserkraft des Rheines.

 

Der Fischpass

Nachdem die Staustufe in Betrieb genommen wurde, endete hier bei Rhein- kilometer 334 die Aufwärtswanderung der Fische. In einem weiteren Staatsvertrag im Jahr 1997 beschloss man den Bau einer Fischaufstiegs-einrichtung an den Staustufen Gambsheim und Iffezheim. Seit Juni 2000 ist Europas größte Fisch-wanderhilfe in Betrieb. Mit Hilfe von Lockstrom werden die Fische zum Fischpass geführt. Über durchströmte Becken, welche über Schlitze miteinander verbunden sind, überwinden die aufwärtsstrebenden Rheinfische das Stauwehr Becken für Becken. Nach einer Höhendifferenz von 11 Metern erreichen sie das Oberwasser des Wehrs. Von hier aus können sie in die Ill oder auf der anderen Seite in die Rench einwandern. Dort finden Barben, Brachsen, Maischollen, Meerforellen ihre Laichplätze. Auch der früher in großen Mengen vertretene Lachs soll schon Interesse für die Fischtreppe gezeigt haben.

 

Egal zu welcher Tageszeit man an der Staustufe vorbeikommt man sieht dort immer Menschen, die interessiert beim Auf- und Abschleusen von Schiffen zuschauen. Der Schiffer hat sich zuvor über UKW Sprachfunk angemeldet und fährt in die Schleusenkammer. Bei einer Bergschleusung wird jetzt das Untertor geschlossen. Es ist faszinierend mit welchem Druck das Wasser über seitliche Düsen in die 24 Meter Breite und 270 Meter lange Schleusenkammer gepumpt wird, um eine Differenz von 10 Höhenmetern zu überwinden. Es sieht so einfach aus und doch steckt dahinter eine technische Meisterleistung. Grünes Licht gibt dem Schiffer das Zeichen, dass er seine Fahrt auf dem Rhein fortsetzen kann.


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