Die alte Weinstraße, ein Hohlweg, auf dem früher Waren transportiert wurden. Eine beschwerliche Geschichte für Mensch und Tier

Wandergebiet:  Teilstrecke auf dem Premium-Wanderweg „Gernsbacher Runde“

Gernsbach – Loffenau – Lautenfelsen – alte Weinstraße – Gernsbach

 

Ausgangspunkt unserer Wanderung ist das Portal des Premium-Wanderwegs „Gernsbacher Runde“. Von der Haltestelle Hörden  (S41) erreicht man das Portal an der Baccaratstraße über die Alemannenstraße. Hier ist der Eingang zum Laufbachtal und unser Weg führt uns linksseitig am Bach entlang. Der Laufbach entsteht aus dem Zusammenfluss von Kaltenbrunnen und Lützelbach. Unser Wegweiser ist das Schild mit der Ebersteiner Rose. Es ist das Wappensymbol der Grafen von Eberstein und man findet es in vielen Gemeindewappen unseres Landkreises. Der Weg durch das Laufbachtal führt zwar stetig aufwärts, nur bemerkt man das kaum. Im unteren Teil dominieren noch die Wiesen gegenüber dem Wald. Rechts unten auf dem Wiesengelände sieht man den Laufbachhof. Die großzügige Anlage bietet zwischen 15 und 20 Pferden ein Zuhause.

 

Je weiter wir in das Tal hinein wandern, desto enger wird es und der Wald kommt stetig näher. Der Forstweg ist angenehm zu gehen. Am Standort Laufbachbrücke weisen große Grenzsteine darauf hin, dass wir hier die ehemalige badisch-württembergische Grenze überquert haben. Über Jahrzehnte hinweg war dieses wildromantische Tal in Vergessenheit geraten. Kein Weg führte am Laufbach entlang. Unterhalb der Laufbachwasserfälle wird der Weg schmäler und führt auch stellenweise über Wurzeln hinweg. Um die Jahreswende 1999/2000 hat man dieses Kleinod für Wanderfreunde zugänglich gemacht. Eine Treppenanlage erleichtert den Aufstieg und eine im Jahr 2003 errichtete Besucherplattform bietet den Ausblick auf die Wasserfälle. Der Laufbach stürzt hier über eine Gesteins-

stufe von 50 Metern in die Tiefe. Nach der letzten Steigung kommen wir durch ein Wiesenstück beim Sägmühlteich an. Er ist eine Erinnerung an die Zeit, in der in Loffenau zwei Mahl- und 3 Ölmühlen betrieben wurden. Außerdem gab es im Dorf noch zwei Sägewerke und eine Schleifmühle. Links und rechts vom Sägmühlteich stehen denkmalgeschützte Fachwerkhäuser. So hat man früher mal gebaut.

 

An der Evangelischen Kirche sollte man nicht einfach vorbeigehen. Was sich kunstgeschichtlich in ihr verbirgt, ahnt man auf den ersten Blick nicht. Im Turmchor der Kirche, der schon im Jahr 1400 bestanden hatte, befinden sich Deckenfresken und Wandmalereien die einzigartig und im ganzen Schwarzwald so nicht zu finden sind. Die Entstehung dieser heiligen Szenen wird zwischen die Jahre 1440 und 1455 datiert. Der oder die Künstler sind unbekannt. Es gibt keine Quellen darüber. Immer wieder sind konservierende und restaurierende Maßnahmen notwendig. Dieses kunstgeschichtliche Erbe muss einfach erhalten werden.

 

Am Rathaus vorbei durchqueren wir Loffenau und erfreuen uns an den zahlreichen Anfang des 19. Jahrhunderts entstandenen und aufwändig sanierten Fachwerkhäusern. Wir laufen in Richtung Lautenbach und kommen an der Illertkapelle an. Wir machen einen kleinen Abstecher zu den Lautenfelsen. Eine Sage erzählt, dass der Teufel in wilder Wut die Steine von der Teufelsmühle heruntergeworfen hätte. Die fast 100 Meter hochragenden Felsen sind von weitem schon zu sehen. Sie bestehen aus grau bis rosa gefärbtem Forbach-Granit und wenn die Sonne darauf scheint, leuchten die Felsen. Die Landschaft fasziniert mit ihrer Urwüchsigkeit und den Kontrasten. Hier das wilde Steintal und dort die lieblich anmutenden Heilwiesen. Wir erreichen die unter Naturschutz stehenden Lautenfelsen. Klettern ist hier natürlich verboten. Es gibt aber eine Stelle an der man die Felsen hochsteigen darf, um den traumhaften Ausblick in das Murgtal zu genießen. Bei guter Sicht reicht der Blick sogar in die Rheinebene. Das ist einer von vielen Gründen warum wandern immer wieder zu einem Erlebnis wird.

Wir gehen den Weg wieder zurück und halten uns an die gelbe Raute. Das erste Teilstück führt uns vorbei an Streuobstwiesen und kleinen Kastanienwäldchen. Wir gehen weiter bis zu einer Weggabelung.

 

Den gemütlicheren und längeren Weg nach Gernsbach verlassen wir und nehmen dagegen die alte Weinstraße (1,4 km nach Gernsbach). Wir bewegen uns hier auf einem historischen Pfad. Über diesen vom Regen ausgewaschenen steilen Weg mit Steinen und Wurzeln wurden früher mit Ochsen- oder Pferdekarren Weinfässer und Getreide ins Württembergische („über berg“) transportiert. Natürlich musste zuerst noch Zoll bezahlt werden. Den erhoben die Markgrafen von Baden. Der steile Abstieg macht sich auch gleich in den Waden bemerkbar. Aus dem Wald heraus geht es über ein Stück Wiese zu den ersten Häusern von Gernsbach. An den S-Bahn-Gleisen angekommen nehmen wir die nächste Straße nach rechts, gelangen in den Kurpark von Gernsbach und gönnen uns eine kleine Auszeit. Mit Sicherheit gibt es größere Kurparks in Deutschland, aber Gernsbach bietet auf 5 ha Fläche einen blumenprächtigen Kleinpark mit teils sehr alten Bäumen. Es gibt einen sprudelnden Springbrunnen und einen Schwanenteich, in dem auch Dieter der Höckerschwan und Schwanendame Anne samt Nachwuchs ein zuhause gefunden haben. Hier auf einer Bank strecken wir die Beine aus, genießen die Schönheit dieses Parks bis uns der Hunger über die Stadtbrücke in die Altstadt treibt.

 

Wanderung:

Gesamtstrecke ca. 10 km. Sie beinhaltet eigentlich jede Variante. Gut begehbarer Waldboden, sanfte Anstiege, steile Anstiege und ebenso steile Abstiege. Für Kinderwagen nicht geeignet. Ältere Kinder werden den Aufstieg zu den Wasserfällen und den Lautenfelsen als spannend empfinden. Ausgangspunkt 170 m ü. NN, Laufbachwasserfälle 255 m ü. NN, Sägmühlteich 319 m ü. NN und Lautenfelsen 593 m ü. NN. Unbedingt festes Schuhwerk tragen. Der letzte Streckenabschnitt über die alte Weinstraße ist nach Regen nicht zu empfehlen. Dann nimmt man eben den oben erwähnten längeren Weg.

 

Infos zum Premium-Wanderweg Gernsbacher Runde:. Der gesamte Wanderweg ist mit insgesamt 42,7 Kilometer etwas länger als ein Marathonlauf. Das Siegel Prädikatswanderweg wird nach 34 geprüften Kriterien vergeben. Das bedeutet höchsten Wandergenuss durch blühende Wiesen, durch Tannen- und Mischwald, vorbei an plätschernden Bächen und dabei immer traumhafte Aussichten. Die Strecke kann in zwei oder drei Tagen abgelaufen werden. Der Premium-Wanderweg  ist nichts für reine Sonntagsspaziergänger. Hier sind wandergeprüfte Waden gefragt, denn die Strecke bewegt sich von 160 m ü. NN bis auf 984 m ü. NN. Der Premiumweg ist eine Herausforderung, aber für Naturliebhaber eine Belohnung in jeglicher Hinsicht.

 


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