In diesen kleinen Hütten wurde das Heu für den Winter aufbewahrt und bei Bedarf mit dem Schlitten in das Dorf transportiert.

Wandergebiet Forbach-Gausbach: Großer Heuhüttenweg

 

Forbach und Umgebung hat viel zu bieten. Es ist mit einem Waldanteil von mehr als 90% auf einer Fläche von beinahe 13 200 Hektar einer der waldreichsten Luftkurorte im Schwarzwald. Alles was das Herz eines Wanderers höher schlagen lässt bietet hier die Natur. Wiesentäler mit Heuhütten, Schluchten, Felsen, Wälder und Seen. Ein gut ausgeschildertes Wegenetz führt durch kurze Touren, Tagestouren, begleitet den Wanderer auf dem West- oder Mittelweg und auf dem Murgtalwanderweg.

Wir haben uns für Gausbach und den großen Heuhüttenweg entschieden. Wohl wissend, dass das kein Spaziergang einfacher Art wird. An der Gausbacher Festhalle kann man den Pkw parken. Von hier startet jeder Wanderweg und das Hinweisschild erklärt, dass wir uns für den großen Heuhüttenweg nach der Nr. 10 zu richten haben. Wir laufen die Winterhardtstraße hoch und sehen unten links das Vereinsheim des Turnvereins. Es geht weiter bergan. Wir biegen auf den Rosshämmes-Weg ab. Ein paar Tage zuvor hat es geregnet und der Grundbach trägt fleißig sein Wasser dem Kauersbach zu. Erste Heuhütten sind zu sehen. Es geht steil aufwärts. Links Wald und Felsformationen, rechts liegt das Grundbachtal.

Wann der erste Heuschopfen im freien Wiesengelände gebaut wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Eine erste Erwähnung findet man in einem Visitationsbericht der Diözese Speyer aus dem Jahr 1683: „ Dieser Ort ist wegen seiner Unwegsamkeit und Abgelegenheit nahezu unzugänglich. Was weiter von diesen Gegenden zur beurkunden ist, sind die vielen steilen Wiesen in den Bergen, welche eigenartige Häuschen haben, in welche das getrocknete Heu gebracht und darin aufbewahrt wird. Und um das Wild und die Wölfe zu schrecken und von den Wiesen, Äckern und Dörfern fernzuhalten, lassen sie durch herabfließendes Wasser beständig Hämmerchen an Balken stoßen, durch welches Geräusch die wilden Tiere meinen sollen, es wohnen in der Nähe Menschen.“ Nach dem 30jährigen Krieg sollen Tiroler, Bayern und Kinzigtäler als Holzhauer in das Murgtal gekommen sein. Den Tirolern schreibt man die Heuhütten zu. Diese kleinen Hütten liegen meist am talseitigen Ende einer Parzelle mit Öffnung zum Berg hin, so dass das Heu leicht einzubringen war. Um das Heu vor Feuchtigkeit zu schützen las man Steine auf und erstellte Steinriegel. Darauf wurde die Heuhütte errichtet. Das Dach wurde mit Holzschindeln gedeckt. Die Größe einer Heuhütte liegt bei 3 x 3,50 Metern. Der Abtransport von Heu zur Fütterung der Tiere im Stall geschah mit einem Rückkorb oder einer „Kräätz“ mit der gut ein Zentner Heu getragen werden konnte. Im Winter transportierte man das Heu mit einem Schlitten zum Dorf.

Wir kommen zur Latschigstraße auf der wir nach wenigen Metern rechts abwärts wieder auf die Winterhardtstraße treffen. Nun geht es wieder bergan. Die nächsten 4 Kilometer laufen wir dann auf ebenem Waldweg weiter. Vom Horngrundtal kann man einen traumhaften Ausblick auf die Schwarzwaldberge genießen. An der Winterhardthütte angekommen bietet sich eine kleine Verschnaufpause an. Das frische klare Wasser aus dem Sandsteinbrunnen tut gut. Es ist reines Quellwasser das aus den Bergen kommt. Wir überqueren eine kleine Bogenbrücke aus Sandsteinen und haben hier den höchsten Punkt unserer Wanderung erreicht. Wir kommen auf die Weinbrunnenstraße und erhaschen immer wieder einen Blick in das Sievertsbronntal. Es ist vom Ort Gausbach das abgelegenste Heuhüttental und man erzählt sich, dass Wiesenbesitzer noch vor dem Morgengrauen im Ort losmarschiert sind um in aller Frühe mit der Wiesenmahd beginnen zu können.

Wir kommen zum Köhlerplatz. Mit bloßem Auge erkennbar sind zwei kreisrunde Erdwälle, deren Erde tiefschwarz ist. Ein Zeugnis dieses alten Waldberufes. Es geht weiter zur Sandbrunnenquelle mit Einblicken in das Ebersloh-Heuhüttental. Wir hören den Sasbach plätschern und erreichen das Sasbach-Heuhüttental. Mit etwas Glück treffen wir dort auf eine Ziegenherde. Diese vierbeinigen Rasenmäher halten fleißig fressend das Tal offen. Kein Strauch ist vor ihnen sicher. Die sieben Mägen einer Ziege wollen beschäftigt sein. Der untere Eckkopfweg bringt uns zur Schutzhütte am Eckkopf. Nun geht es weiter abwärts dem Dorf entgegen. Etwas erschöpft, aber glücklich über die vielen Eindrücke erreichen wir den Parkplatz bei der Festhalle.

Wanderung:

Großer Heuhütten-Rundweg. Länge 13,4 Kilometer und für Wanderer mit sportlichen Ambitionen, aber für Naturliebhaber eine Belohnung in jeglicher Hinsicht. Dauer ca. 4 Stunden. Höhenunterschied 398 Meter. Teilweise gute Wegstrecke, aber auch einfache Pfade durch den Wald. Unbedingt festes Schuhwerk tragen.

 


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