Altrheinarm bei Plittersdorf

Wandergebiet: Plittersdorf – Rundweg durch einen Teil der „Rastatter Rheinauen“

 

Von Rastatt kommend fährt man in Richtung Plittersdorf auf der Hauptstraße L 77 durch den Ort, vorbei am Gasthaus „Anker“ über die Brücke und schnurgerade geht es dann zum Rhein. Bei Hochwasser ist hier oftmals „Land unter“ und der alte Sportplatz von Plittersdorf, sowie das Gasthaus „Rheinstrom“ sind ab und an vom Dorf abgeschnitten.

 

Ursprünglich lag Plittersdorf auf der linken Seite des Rheines und wurde erstmals 730 n. Chr. als Plitharesdorphe erwähnt. Als ältestes Dorf im Ried und im Landkreis Rastatt wurde es wegen der Bedrohung durch den Rhein oftmals abgebrochen und an anderer Stelle wieder aufgebaut. Seine Fläche umfasst den nördlichen Teil des Rieds zwischen Rhein, Murgmündung und Riedkanal.  

Direkt am Rhein befindet sich ein großer Parkplatz. Am Pegel Plittersdorf vorbei erreichen wir einen großzügig angelegten Spielplatz. Hier bietet ein großer aus Holz nachgebauter Schiffsrumpf Kindern verschiedene interessante Klettermöglichkeiten. Aus Holz gezimmerte Bänke und Tisch laden zu einer Vesperpause ein oder man schaut einfach dem Schiffsverkehr auf dem Rhein zu.

 

Nach kurzer Strecke macht der Weg einen Bogen und führt uns dann unmittelbar wieder an den Fluss zurück. Ein paar Meter weiter nehmen wir die Abbiegung nach links und begeben uns auf das Preußensträßle. Dieser in die Rhein-Aue führende Weg soll seine Bezeichnung im sogenannten 70/71er Krieg erhalten haben. Damals hätten die Preußen diesen Weg benutzt, um an eine am Rhein gelegene Furt zu gelangen und so auf die andere Seite zu kommen.

 

Mit jedem Meter den wir gehen wird es ruhiger. Die Hartholzaue lässt uns das Tuckern der Motoren der Rheinschiffe nur noch weit entfernt wahrnehmen. Bei Überflutung fließt das Wasser hier schnell wieder ab. Das Gewirr von Bäumen, Sträuchern und Büschen vermittelt den Eindruck man befände sich in einem Dschungel. Hier gibt es nur noch Geräusche, die die Natur verursacht. Das Zwitschern der Vögel, Wasser plätschert leise dahin und ein Reiher beendet seine Flugpause auf dem Baum und zieht zum Rhein. Als Stadtmensch kann man hier durchatmen und fühlt sich im Einklang mit der Natur.

 

Zwei Übergänge führen kurz hintereinander über Altrheinarme. Der zweite Übergang ist das „Friedrichsbrückle“, benannt nach dem ersten Erbauer der damaligen einfachen Holzbrücke. Beide Übergänge haben keine Geländer, weil bei Hochwasser sich das Treibholz hier anstauen würde.

 

Es ist Spätsommer und das Wasser fließt träge dahin. An den Fischreiher-gründen vorbei geht es in Richtung Hochwasserdamm hinter dem geschützt Plittersdorf liegt. Vom Damm aus hat man einen beeindruckenden Blick auf Silberweidengalerien und Röhrrichte. Zwei Graureiher kümmern sich gerade um ihr Mittagessen und eine Gruppe Schwäne zieht gemächlich durch das grünlich schimmernde Wasser. Über den Damm laufen wir zurück zur Straße. Auf der rechten Seite unterhalb des Dammes liegt der Festplatz der Gemeinde Plittersdorf. Genau hier soll sich laut einem Plan von 1828 die Fähre befunden haben. Beim Gasthaus „Anker“ gehen wir über die Brücke und weiter auf dem Fuß- und Radweg neben der L 77 in Richtung Rhein und zurück zum Parkplatz.

 

Dieser Rundweg hat nicht nur im Sommer seine Reize. Wenn der Winter Büsche und Bäume mit Raureif und Eiskristallen überzogen hat, bietet auch die Rhein-Aue einen bizarren Anblick. Der eigene Atem wird zu einer kleinen Wolke, es herrscht eine einmalige Stille und je nach Sonneneinfall glitzert das Eis an den Büschen in wunderschönen Farben. Diese Rhein-Auen sind ein kleiner Rest des „alten Vater Rheins“ und zeigen uns wie es hier früher ausgesehen hat entlang der Dörfer die heute am regulierten Rhein liegen.

 

Wanderung: Rundweg durch die Rheinauen. Ca. 5 km. Wenn man es gemütlich angeht und sich in der Natur umsieht 1 Stunde 30 Minuten. Mit Kinderwagen nicht empfehlenswert, da die Strecke stellenweise nicht befestigt ist. Es gibt für diese einmalige Naturlandschaft einige Vorschriften die unbedingt beachtet werden müssen. Das hat nichts mit „Gegängel“ zu tun, sondern dient dem Zweck der Erhaltung einer einzigartigen und einmaligen Auen-Landschaft. Es gilt, den Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten zu schützen. Also: Keine Abfälle hinterlassen und keine Hunde frei laufen lassen. Es ist auch strikt untersagt hier zu baden. Freizeitcamper und ihre rauchenden Grills sind absolut unerwünscht. Man sollte dieses Überbleibsel einer Landschaft die einst ein ungezähmter Fluss hinterlassen hat respektieren und sich an der Natürlichkeit dieser Gegend einfach erfreuen.


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