Hier beim "Hexenbrünnele" beenden wir unsere Wanderung.

Wandergebiet Forbach Gausbach: „Der Sagenweg“

 

Vom Parkplatz der Stadtbahn aus führt unser Weg die Lindenstraße entlang mit leichter Steigung durch den Ort. Positiv auffallend sind dabei die liebevoll und blumengeschmückten Häuser und Gärten. Kurz darauf erreichen wir die erste Station des Sagenweges, die „Kuhglocke“, die die Sage des Hörnerichs darstellt. Der Gausbacher Bürger Ernst Mayer war nach Freudenstadt gewandert, um sich ein paar billige Arbeitsstiefel zu besorgen. Auf dem Rückweg nahe der baden-württembergischen Grenze stellte sich ihm ein schwarzes Männchen in den Weg. Dieses packte den Mayer-Ernst wirbelte ihn im Kreis herum, setzte sich schließlich auf dessen Hals und ließ sich bis kurz vor Forbach von ihm tragen. Dort sprang er Schwarze ab und verschwand mit lautem Hohngelächter in den Wald. Als der Mayer-Ernst zuhause die Stube betrat, sahen seine Angehörigen, dass er statt der erworbenen Stiefel zwei Kuhglocken um den Hals trug.

 

Die Kuhglocke, ein Objekt des Gausbacher Künstlers Rüdiger Seidt, geformt aus dem hier vorhandenen Buntsandstein. Die Größe der Glocke soll darstellen, wie schwer der Mayer Ernst unter der Last des Hörnerichs zu leiden hatte.

 

Wir erreichen nun ein kleines Wäldchen, in dem wir den Duft frisch geschlagenen Holzes wahrnehmen. Aus dem Wäldchen heraus haben wir einen traumhaften Ausblick über Gausbach, das Murgtal hinunter und ganz oben am Berg sehen wir sogar das Gebäude des Höhenhotels Rote Lache. Wir befinden uns nun im Bereich oberer Langenberg. Hier erwartet uns die zweite Station des Sagenweges, die Zielsteine. Der Sage nach soll hier ein listiger Bauersmann immer wieder die Grenzsteine zu seinen Gunsten versetzt haben, um seine Äcker zu vergrößern. Als Strafe wurde er zum Geist und musste mit den Steinen auf dem Buckel auf- und abgehen. Dabei flehte er ohne Unterlass: „Sag mir, wohin ich ihn setzen soll“. Der Mayer-Ernst, ein ewig durstiger Geselle wankte eines Abends nachhause und hörte dieses Flehen. Mutig antwortete er: „Setz’ ihn hin, wo du ihn genommen hast“. Flugs kam der Geist herbei und bedanke sich beim Mayer-Ernst für seine Erlösung und wurde von da an nimmer gesehen. 

 

Die „Zielsteine“, beeindruckend dargestellt von Rüdiger Seidt. Grenzsteine auf beweglichen Eisenrohren symbolisieren die Landnahme, das Steine versetzen. Es handelt sich hier um echte Grenzsteine, wobei einer sogar das Zeichen der Ebersteiner Rose trägt.

 

Es geht weiter an Heu- und Streuobstwiesen vorbei. Ein leises Bimmeln bringt uns dazu, den Blick nach oben schweifen zu lassen. Und tatsächlich tummeln sich hier braun-weiß gefleckte Ziegen, Schafe und Rinder. Dieses Projekt „Ihr Steak wächst in Forbach“ hatte man vor zwei Jahren gestartet und es wurde zum vollen Erfolg. Einmal auf den Geschmack gekommen, gehen im Frühjahr zahlreiche Bestellungen für das Fleisch dieser Rinder ein. Sie sind den Sommer über im Freien und dürfen Stück für Stück die Wiesen hier oben abgrasen und das bringt die gute Qualität des Fleisches.

 

Rechts am Berghang und gut sichtbar ein Einschnitt in die Landschaft,  ein altes Holzries, die sogenannte Ochsengasse. Von diesem steilen Hang wurde über eine Rinne das Holz an die Murg transportiert. Nach einer kurzen Steigung erreichen wir die dritte Station, das „Kapellele“. In diesem Fall soll es keine Sage sein, sondern wahre Begebenheit. Es geht um Hermine Mungenast, die im Alter von drei Jahren völlig erblindet sei. Zahlreiche Gebete und Wallfahrten brachten dem Kind keine Linderung. Die Eltern ließen auf dem Siederseck eine Figur des heiligen Antonius und ein Opferkästchen anbringen. Nachdem sich in dem Opferkästchen einiges Geld, darunter auch Zehnmarkstücke in Gold, befanden, ließen sie an der Stelle eine kleine Kapelle errichten. Fortan trafen sich hier viele Gläubige zum Gebet und das Wunder geschah, die kleine Hermine erlangte ihr Augenlicht wieder. Nach dem Ableben der Eltern zerfiel die Kapelle und nach dem ersten Weltkrieg wurden die kläglichen Reste entfernt.

 

Kapellele, Objekt von Rüdiger Seidt. Die Kapelle ist als geistiger Raum dargestellt und besitzt nur die Eckpunkte eines Hauses. Vorne zwei Edelsteinpfosten im Erdreich, die zum Dach abgeknickt sind und die Rückseite aus zwei weiteren Pfosten. In der Mitte befindet sich ein Altarstein mit einem eingemeißelten Auge, das an Gott und gleichzeitig an die kranken Augen der Hermine Mungenast erinnern sollen. Daneben steht eine Sitzbank in Kreuzform, von der man eine grandiose Aussicht genießen kann.

 

Unsere vierte Station ist „Das feurige Teufelchen“. Der Berthold aus Gausbach befand sich vom Kronenwirt kommend auf dem Nachhauseweg. Wie er plötzlich im Murgbett landete, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Da er nicht ertrinken wollte, empfahl er seine Seele Gott dem Herr. Ein Wesen mit roten feurigen Augen und Hörnern setze ihn am anderen Murgufer ab, wo kurz darauf eine Pferdekutsche nahte und Berthold sich gerettet sah. Später stelle er fest, dass die Kutsche von niemandem gelenkt wurde, doch es war zu spät. Auf dem Latschigfelsen abgesetzt und zwei Stunden durch den dunklen Wald von Gausbach getrennt, wurde er abgesetzt und musste sehen, wie er heim kam.

Das Teufelchen. Ein reizend gestaltetes Objekt aus Stein von dem elsässischen Künstler Thiery Gangloff. Vorne sichtbar ein Teufelchen mit Hörnern und leuchtend roten Augen, von hinten gut sichtbar der dazugehörige runde Popo mit  Schwanz und Quaste.

 

Weiter geht es am Vereinsheim des Turnervereins Gausbach zur nächsten Station, dem „Schulmeisterfelsen“. Schulmeister Blasius war ein braver, pflichtbewusster Mann und glaubte an keine Geister. Er befand sich mit seiner Tochter zum Einkauf in Gernsbach. Da er noch andere Erledigungen hatte, schickte er das Mädchen zurück nach Gausbach. Auf dem Rückweg verspätete er sich und kam erst bei Nacht an den Langenbrander Berg und verlief sich dort gründlich. Urplötzlich wurde er von unsichtbaren Kräften hochgehoben herumgeschleudert und wieder nach unten gestoßen. Er wusste nicht mehr wo er war und musste die ganze Nacht in der Dunkelheit verbringen. Erst am nächsten Morgen stellte er fest, dass er auf dem Latschigfelsen saß. Flößer, die seine Hilferufe hörten, befreiten ihn über Leitern aus dem Felsen. Was Geister anbetrifft, dürfte er seine Meinung gründlich geändert haben.

 

Schulmeisterfelsen. Der Felsen, über 9 Tonnen schwer, stammt von der alten Landstraße, hat die Form eines Tisches und wurde mittels Hilfe der Firma Reif an den jetzigen Standort verbracht. Rüdiger Seidt hat ihn anschließend noch bearbeitet.

 

Es geht vorbei an Wiesen mit Weißklee, Scharfgarbe, Margariten und Hahnenfuß, wobei uns das Plätschern des Kauerbachs begleitet. So erreichen wir die letzte Station unseres Rundweges den „Hexenbesen in der Ringwiese“. Der Flurname „Ringwiese“ außerhalb eines Ortes gelegen, deutet auf den Ring tanzender Hexen hin. Vielleicht haben sich hier wirklich des Nachts Hexen zum Tanz auf dem Besen getroffen. Man weiß es nicht. Hier auf dieser Wiese kann man die Wanderung mit einem Picknick beschließen.

 

Hexenbesen. Rüdiger Seidt hat auf diesem riesigen Granitbrocken einen übergroßen Hexenbesen angebracht. Beim Stein angefertigte Stufen laden ein zur Umrundung der Anlage.

 

Der Abschluss unserer Wanderung findet gleich daneben am Hexenbrunnen statt. Obwohl am Brunnenrand eine kleine Hexe sitzt, die zudem noch ihren Schlappen im Wasser verloren hat, ist das Wasser reines Trinkwasser und kann unbedenklich genossen werden.

 

Wanderung:

Rundweg – Sagenweg – Forbach-Gausbach. Gehzeit gemütliche 1 ½ Stunden für 3 km. Die ersten 500 m ansteigend, anschließend bei gut ausgebauten Wegen fast eben auch mit Kleinkindern oder Kinderwagen begehbar. Ein großes Lob an Ortsvorsteher, Ortschaftsrat, Gemeinde und an die Künstler, die mit kreativen Ideen diesen Weg so hervorragend in die bestehende Landschaft integriert haben. In Gausbach gibt es noch weitere empfehlenswerte Wanderungen. Den Flyer hierzu erhält man bei der Tourist-Info Forbach, Tel.: 07228 390.

 

Meine persönliche Empfehlung zum nächsten Kindergeburtstag: Buchen Sie eine Führung für Kinder auf dem Sagenweg und packen Sie einen großen Picknickkorb. Speziell für Kinder hat man sich besondere Attraktionen ausgedacht. Ab der Kuhglocke dürfen Sie ein Stück des Weges barfuß gehen, um den Boden direkt auf der Haut zu spüren. Vor dem Kapellele nehmen sich jeweils zwei Kinder an der Hand. Ein Kind führt und das andere schließt seine Augen. Das Teufelchen darf mit einer Taschenlampe angeleuchtet werden und die Augen leuchten noch mal so rot. Beim „Hexenbesen auf der Ringwiese“ wird es dann besonders spannend. Dort wird die Geschichte der kleinen Hexe Bibbi Bloxberg erzählt, wie sie ihren Besen abgeben musste, weil sie verbotenerweise auf den Hexenberg geflogen war.

 

Nach einem Picknick auf der Wiese bringen Sie am Abend glückliche Kinder nachhause, die sich ausgetobt haben, zufrieden sind und viel zu erzählen haben. Mal etwas anderes wie die übliche Pommes-Schlacht.


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