Rotenfels

Rotenfels um 1960 herum. Rechts das Rathaus und Blick auf die Mutterkirche des Murgtales.

Rotenfels feiert seinen 975. Geburtstag -  Rückblick in die Geschichte

 

Das weniger waldreiche, fruchtbare und leicht zugängliche Gelände des Vorgebirges dürfte wohl schon in der Steinzeit Menschen angezogen haben. Siedlungsplätze aus dieser Zeit sind nicht nachzuweisen. Die zahlreichen Funde von Abschlägen, Klingen und Absplissen aus der Zeit des Übergangs von der Jäger- und Sammlerkultur zum sesshaften Bauern beweisen aber doch, dass hier am Fluss und dem angrenzenden fruchtbaren Ackerland Menschen gewohnt haben müssen.  Danach scheint das Gebiet um Rotenfels lange unbesiedelt gewesen zu sein. Bis die Römer kamen.

 

Römer und Alamannen

Für die Römer war 58-61 v. Chr. der Rhein zuerst einmal eine Grenze. Was sie abschreckte, war die undurchdringliche Wildnis, die sich dahinter erhob. Als sie den Fluss letztendlich dann doch überquert hatten, mussten sie entdecken, dass die Vorbergzone durchaus ihre Reize hatte. Sie durchstreiften das Gelände, hinterließen ihre deutlichen Spuren in Baden-Baden, bei Winkel in der Vorbergzone wurden die Ruinen einer villae rusticae gefunden und sie legten eine Militärstraße an, die von Straßburg über Baden-Baden entlang der Vorbergzone nach Ettlingen, Pforzheim bis nach Canstatt reichte. Rund 100 Jahre lieferten sich die Römer immer wieder Kämpfe mit angreifenden germanischen Gruppen. Aurelius Victor, ein römischer Geschichtsschreiber, nannte diese streitbaren Heere Alamannen. Das Ende der römischen Herrschaft zwischen Rhein und Donau kam mit dem Einfall der Alamannen um 259/260 n. Chr.

 

Franken

Von Norden kommend drangen die Franken in das von den Alamannen besiedelte Gebiet ein. In der entscheidenden Schlacht 496 n. Chr. wurden die Alamannen erfolgreich geschlagen. Der fränkische König Chlodwig aus der Dynastie der Merowinger nahm diesen Sieg zum Anlass, sich zum Christentum zu bekennen. Eine neue Dynastie taucht auf. Die Salier, ein ostfränkisches Adelsgeschlecht, hatten sich im Laufe des 10. Jahrhunderts am Rhein zwischen Worms und dem heutigen Karlsruhe und auf der linken und rechten Seite des Rheins zwischen Rheingau und Kraichgau eine Adelsherrschaft aufgebaut, die gut funktionierte. Von 1027 bis 1125 kamen aus diesem Geschlecht dierömisch-deutschen Kaiser.

Ersterwähnung von Rotenfels: Predy Rotenfels dictum in pago uffgowi

Die Salier hatten sich das größte Denkmal  mit dem Speyrer Dom „dem Gebirge aus Stein“ gesetzt. Ein Jahrhundert lang von 1024 bis 1125 lenkten die Salier die Geschicke des Reiches und versuchten immer wieder ihre Macht gegen die aufflammenden Widerstände der deutschen Fürsten zu festigen. Niemand anderes als Heinrich III. aus der Familie der Salier, von 1039 bis zu seinem Tod 1056 König und ab 1046 Kaiser im römisch-deutschen Reich, schenkte am 06.06.1041 das Landgut Rotenfels, predy Rotenfels in pago uffgowi, dem Dom zu Speyer. Diese Schenkung, in der Rotenfels namentlich aufgeführt wird, gilt als „Geburtsurkunde“, obwohl man davon ausgehen kann, dass Rotenfels wesentlich älter ist. Aber wie immer ist die Ersterwähnung in einer Urkunde maßgebend. Diese Schenkung wurde durch Kaiser Heinrich IV. am 10.04.1101 und nochmals am 15.02.1102 bestätigt.

 

In einer Urkunde aus dem Jahr 1193 bestätigt Papst Cölestin III. die Rotenfelser Mühle, in der bis 1436 Gaggenau, Michelbach, Bischweier, Ober- und Niederweier und Winkel mahlen lassen mussten. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts geht diese Mühle durch Schenkung der Ebersteiner an das Kloster Frauenalb. 1288 war Rotenfels ganz im Besitz der Markgrafen von Baden und fiel bei der Teilung an Hermann VII. Bei der Teilung im Jahr 1388 kam der Ort an Bernhard I.

 

Das Kirchspiel Rotenfels oder die Mutterkirche des Murgtals

Eine große Bedeutung kommt Rotenfels in der Kirchengeschichte des Murgtals zu. Von Rotenfels aus erfolgte die Christianisierung und Besiedelung des Murgtals. Die Ersterwähnung von Gaggenau fällt in das Jahr 1288, die von Forbach in das Jahr 1388. In der Schenkungsurkunde Heinrichs III. für den Dom zu Speyer wird in der Aufzählung des Gutes Rotenfels keine ecclesia (Kirche) erwähnt. Die alte Rotenfelser Pfarrei soll aber schon um 950 als Kuratie bestanden haben und ein Hilfspriester besorgte den Gottesdienst. Bei der Abtrennung der zweiten Pfarrei, Gernsbach, von Rotenfels im Jahr 1243 wurde bestimmt, dass Sulzbach, Ottenau, Gaggenau, Selbach, Michelbach, Bischweier und Winkel weiterhin zur Pfarrei Rotenfels gehören sollten. Über schmale Fußpfade, sogenannte Gängerle, wurden Neugeborene zur Taufe nach Rotenfels getragen. Auch die Seelsorger mussten damals weite Wege durch unwirtliches Gelände auf sich nehmen, um Kranke zu besuchen oder Sterbenden die letzte Ölung zu geben. Jeder Kirchenbesuch war für die Gläubigen eine Tortur. Nach und nach entstanden murgtalaufwärts eigene Pfarreien, aber in Rotenfels steht heute noch die Mutterkirche des Murgtals.

 

Statt Kohle Heilwasser

Große wirtschaftliche Bedeutung für Rotenfels hatte die seit 1725 bestehende Eisenschmelze jenseits der Murg. Als der Rastatter Hofglaser Franz Anton Dürr seine Anteile 1769 an dem Werk verkaufte, ging es mit der Eisenschmelze bergab. Markgraf Karl Friedrich erwarb 1789 die Fabrikanlagen und schenkte sie seiner zweiten Frau Luise Karoline Geyer von Geyersberg (im Jahr 1796 Gräfin Hochberg). Sie richtete dort 1801 eine Steingeschirrfabrik ein, die wegen Unrentabilität 1816 wieder aufgegeben wurde.

 

Auf diesem Platz entstand in den Jahren 1818/1827 das klassizistische Schloss Rotenfels nach den Plänen von Friedrich Weinbrenner inmitten einer hübschen Parkanlage. Der zweite Sohn, von Großherzog Karl Friedrich von Baden und dessen zweiter Frau Luise Karoline, Wilhelm, ließ es zusammen mit einem Mustergut errichten. Nach Beendigung seiner militärischen Laufbahn wohnte er im Schloss und kümmerte sich um seine Güter in Rotenfels und Augustenberg bei Durlach.

 

Auf der Suche nach Steinkohle ließ Markgraf Wilhelm von Baden am Fuße des Schanzenberges durch Bergrat Walchner Versuchsbohrungen durchführen. Am 17. April 1839 wurde damit begonnen. Als Walchner bei der ersten Bohrung eine Tiefe von 330 Fuß erreicht hatte, stieg Wasser mit einem solchen Druck nach oben, dass es über das Bohrloch hinauslief. Eine erste Untersuchung des Wassers an Ort und Stelle ergab, dass es Kohlensäure, Kochsalz, Chlor-Calcium, Chlor-Magnesium sowie schwefelsaure Verbindungen enthielt. „Auf darüber gehorsamst erstatteten Vortrag ordneten seine Hoheit der Herr Markgraf Wilhelm von Baden die Fassung der so unerwartet erbohrten Mineralquelle an, welche auf eine sehr erfreuliche Weise eine Lücke in der Reihe der vaterländischen Mineralquellen ausfüllt“, so hat es Walchner in seinen Unterlagen festgehalten.

 

Wilhelm von Baden hatte am 16.10.1830 Elisabeth von Württemberg geheiratet und die Quelle bekam den Namen Elisabethenquelle. Rotenfels nahm nun eine rasante Entwicklung zum Badeort. Ein Kurhaus mit Wandelhalle und Bädern entstand. Man schrieb dem Wasser u.a. die Heilung von Magenleiden, Verdauungsbeschwerden, Gelbsucht, Leberkrankheiten, Milzbeschwerden, Gicht, Rheuma und Hautkrankheiten zu. Die in Baden-Baden weilenden Kurgäste kamen in Karossen über den Chaisenweg durch den Schatten spendenden Wald nach Rotenfels. Und am Trinkbrunnen der Elisabethenquelle trafen sich alle Gesellschaftschichten. Leider ließ der Kurgedanke im Verlauf der Jahre immer mehr nach und im Jahr 1906 wurden Kurhaus und Wandelhallen abgerissen. Der erste Teil der Badeentwicklung in Rotenfels hatte aufgehört zu existieren. Die Quelle dagegen sprudelte weiter.

 

Als die alten Eichenholzrohre undicht wurden, war eine Neubohrung im Jahr 1956 wieder erfolgreich. Rotenfels bekam neuen Aufwind. Es entstand ein Freibad mit Liegeplätzen unter schattigen Bäumen, über das sich die Jugend besonders freute. Anfang der 60er Jahre entstand das Sanatorium Elisabethenquelle und 1964 erhielt Rotenfels das Prädikat „Kurort mit Heilquellenkurbetrieb. Im April 1972 bekam Rotenfels von der Landesregierung den Titel „Bad“ verliehen.

 

Vom Quellwasser zum Rotherma

Die Überlegungen über das weitere Vorgehen gingen hin und her, aber letztendlich hat man es richtig gemacht. Seit dem Jahr 1975 sprudelt die Schanzenbergquelle und 1976 folgte die Laurentiusquelle. Heilwasser für ein 15 Millionen Mark veranschlagtes Großprojekt, dem Rotherma. Entstanden ist ein Thermalbad, ein Vorzeige-Projekt, in das zwar immer wieder viel Geld investiert werden muss, das sich aber im Endeffekt auszahlt, weil die Menschen den Aufenthalt dort genießen. Thermalbad, Vitalbad, Aromabad, der große Saunapark, die Felsensauna und die Eisgrotte bringen Spaß, machen gute Laune und man fühlt sich nach dem Besuch wie ein neuer Mensch.

 

Bad Rotenfels im Jahr 2016

Der älteste Ortsteil von Gaggenau feiert seinen 975. Geburtstag. Auf dieses außergewöhnliche Jubiläum sind die Rotenfelser mit Recht stolz. Viele Gedanken haben sich die Bürger und die Rotenfelser Vereine gemacht, wie denn dieses Jubiläum zu feiern sei und man kam zu dem Ergebnis: Wir feiern das ganze Jahr hindurch! Und so reiht sich Veranstaltung an Veranstaltung, von geführten Wanderungen auf den Rotenfels-Wegen, Gartenfesten, Dorfhockete bis hin zu Vorträgen, die über Rotenfelser Geschichte berichten. Ein Highlight dürfte das große Jubiläumsfest am 23. und 24.7.und natürlich auch die Konzerte im allseits beliebten Kurpark werden. Es ist für jeden, auch Nicht-Rotenfelser, etwas dabei. Das genau Programm kann man sich hier anschauen oder runterladen und ausdrucken:www.heimatverein-badrotenfels.de

 

Zum Schluss eine passende Bemerkung des Schriftstellers Horst Bienek: Heimat kann man nicht vererben. Sie ist in meinem Kopf und in meiner Seele. Und so fühle auch ich als Rotenfelserin und wünsche meinem Heimatdorf und allen Gästen ein ereignisreiches Jubiläumsjahr mit vielen fröhlichen Stunden.

Aktuelles

Neuerscheinug

"Tribunal Général"

Das Buch zu den Rastatter Prozessen von 1946 bis 1950

Autorin:  Eva-Maria Eberle

Verlag:  Klöpfer, Ottersweier


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