Rheintal und Schwarzwald entstehen

Eine spannende Geschichte 

 

Wir gehen über 4 Milliarden Jahre zurück und kommen in der Urzeit an. Ein heißer Glutball bei der Entstehung des Sonnensystems hatte sich zu einem festen Planeten abgekühlt. Kontinente hatten sich darauf entwickelt. Es gab erstes Leben in Form von einzelligen Bakterien. Ein Stück Erdkruste war damals auf der Wanderschaft über den Globus. Deutschland hat also eine „bewegte unruhige“ Vergangenheit. Vor rund 400 Millionen Jahren im Erdzeitalter des Devons gab es auf der Erde einen Nordkontinent (Laurussia) und einen Südkontinent (Gondwana) die aufeinander zuwanderten und sich schließlich vereinigten. Der Ozean zwischen den beiden Kontinenten wurde verdrängt. Die Ablagerungen vom Meeresboden gelangten so in das sich neu bildende „variszische“ Gebirge. Beweise dafür gibt es heute noch u.a. im Rheinischen Schiefergebirge. Im Gestein findet man immer wieder Fossilien ehemaliger Meeresbewohner aus dem Erdzeitalter des Devons.  Das neue Gebirge war also entstanden und obwohl es die Basis für Mitteleuropa und für Deutschland war, lag es noch am Äquator. Im Erdzeitalter des Karbon entstanden die ersten Wälder. Auf weiten sumpfigen Flächen standen Baumfarne und Schachtelhalme die eine Höhe von bis zu 40 Metern erreichten. Amphibien, zahlreiche Insekten und riesige Libellen fühlten sich hier wohl.

 

Noch war auf unserem Planet keine Ruhe eingekehrt. Im darauf folgenden Erdzeitalter, dem Perm, gab es das „variszische“ Gebirge fast nicht mehr. Zurückgeblieben war eine hügelige Landschaft und das Meer hatte sich seinen Teil zurückerobert. Im Erdmittelalter vor rund 250 Millionen Jahren stiegen die Temperaturen  und die Landkruste des noch jungen Mitteleuropas wanderte vom Äquator in Richtung Norden. Während ein Teil der Landkruste trocken und sandig war, wurde der südliche Teil vom Meer beherrscht. In beiden Klimazonen hatte sich eine neue Spezies breitgemacht, die wir nur aus Filmen kennen.  Im Meer fühlten sich Meeressaurier, die eine Länge von 25 Metern erreichen konnten, wohl. Der gepanzerte, mit messerscharfen Klauen und Zähnen ausgestattete Dinosaurier durchstreifte das Festland auf Futtersuche. Über ihm kreiste der Flugsaurier mit einer Flügelspannweite von bis zu zehn Metern. 

 

Wer einmal in Eichstätt auf der Willibaldsburg hoch über dem Altmühltal das Jura-Museum besucht wird staunend vor dem 150 Millionen Jahre alten Plattenabdruck des Urvogels  Archaeopterix stehen. Er war nicht sehr groß, hatte Greifhände und spitze Zähne. Er war halb Vogel und halb Reptil.  Auch der sehr gut erhaltene europäische Fleischfresser, der Juravenator, stammt aus dem Solnhofener Plattenkalk. Er war ein kleiner Sauropode, aber sehr schnell unterwegs.  Deutschland war  „Dino-Land.“ In Norddeutschland wurden zahlreiche Dinosaurier-Fährten entdeckt und in Niedersachsen gibt es Abdrücke von gewaltigen Raubsauriern.  Ein ganz bekannter deutscher Dinosaurier ist der Plateosaurus. Wegen zahlreicher Funde wurde er auch der „schwäbische Lindwurm“ genannt.

 

Die Erdneuzeit

Sie brachte für unsere Landkruste große Veränderungen.  Afrika prallte auf Eurasien. Gesteinsplatten schoben sich gegeneinander hoch und bildeten ein neues Gebirge: Die Alpen.  Gleichzeitig setzte vulkanische Aktivität ein, deren Spuren im Hegau, am Kaiserstuhl und in der Eifel deutlich nachweisbar sind. In der Mittel-Eozän-Zeit  vor 45 Millionen Jahren bildete sich der Rheingraben. In diese Senke drang immer wieder Meerwasser ein. Flüsse lagerten hier Ton, Schluff, Sand, Mergel und Kies ab. Im Verlauf von Millionen Jahren bekam die Oberrheinische Tiefebene ihr heutiges Aussehen. Der Oberrheingraben ist bis heute eine geologische Schwachstelle und Masseverschiebungen an den Bruchfugen der Lithosphäre erzeugen zahlreiche Erdbeben, wie man auf der Internet-Seite der Universität Freiburg erkennen kann. Oft nimmt sie der Mensch nicht wahr, aber manchmal klirren dann doch die Gläser im Schrank.

 

Flussgeschichten:  Wo ist unser Rhein ?

Vor weniger als 4 Milliarden Jahre hatte sich unser Planet abgekühlt und es fiel Regen. Das Wasser grub sich Rinnen und es entstanden die ersten Flüsse. Es gab zu der Zeit weder pflanzliches noch tierisches Leben. Der genaue Flussverlauf  ist oft nicht bekannt, aber anhand von Tiefenlinien, abgelagerten Sandschichten und Geröllen kann das Flussbett nachgewiesen werden.

Vom Oberrhein war noch lange nicht die Rede, aber es gab hier im Eozän vor etwa 45 Millionen bereits ein Flusssystem. Das Gefälle verlief damals noch von Norden nach Süden. Ursprünglich bestand unsere Heimat aus einem großen flachen Becken, das immer wieder von Meerwasser bedeckt war.

 

 Die Anfänge des Ur-Rheins kann man bis ins mittlere Miozän vor ca. 12 Millionen Jahren zurückverfolgen. Sein Quellgebiet wird im Kaiserstuhlmassiv vermutet. Das Flussbett ist teilweise nicht identisch mit dem heutigen. Zunächst hatte er nur das Wasser aus dem Oberrheingraben gesammelt und galt als kleines Flüsschen aus dem Mittelgebirge. Wasserzulauf bekam der Ur-Rhein im Pliozän vor etwa 3 Millionen Jahren von der Ur-Mosel. Auch die Aare, die zunächst ihr Wasser über die Burgundische Pforte  zur Rhone ableitete, änderte ihren Lauf nach Norden und wurde zu einem Teilstück des heutigen Hochrheins von Waldshut bis Basel. Zahlreiche weitere Zuflüsse ließen den Ur-Rhein immer länger werden, aber der alpine Zufluss fehlte noch. Vor etwa 800.000 Jahren änderte der Rhein seine Richtung und floss gen Westen. Die Flüsse des rheinischen Netzes zapften nun Flüsse an, die bisher die Donau speisten. Zu Beginn der Riss-Eiszeit vor ca. 200.000 Jahren floss der Rhein noch durch den Klettgau. Seine Quelle liegt heute im Gotthardmassiv und unter seinen Spitzen entspringen Vorderrhein und Hinterrhein. Eine weitere Änderung seiner Fließrichtung ließ vor 15.000 Jahren den Rheinfall entstehen. Wahrscheinlich wurde der Fluss durch das Geschiebe der Gletscher gegen Süden abgedrängt. Er stößt zunächst auf ein altes Flussbett. Dann trifft er auf harten Malmkalk, der älter als der Fluss selbst ist. Die Wassermassen stürzen über die Kalksteinflanke in die Tiefe. Bis heute ein sehenswertes Schauspiel.

 

Nach dem Rheinfall nennt man den Rhein noch Hochrhein. Ab dem „Basler Rheinknie“ beginnt der Oberrhein. Breit und gemächlich dahinfließend erreicht er unseren Landkreis und verlässt ihn in Au am Rhein wieder. Wenn man an seinem Ufer steht ist das nicht einfach nur ein Fluss. Wo Wasser ist, ist Leben. Er hat unsere Landschaft geprägt. Es haben sich Menschen angesiedelt. Mit seinem Geschiebe von Geröll, Kies und Sand hat er das Rheingold mitgebracht. In Kieswerken wurden Mammut-Backenzähne und versteinertes Holz gefunden. In Steinbrüchen unseres Landkreises wurden Schalenabbildungen von Ammoniten gefunden. Sie waren marin lebende Kopffüßer und geben den wichtigen Hinweis auf ein früher existierendes Meer in unserem Landkreis. Wenn der Ammonit seine Kammern flutete, tauchte er wie ein U-Boot ab auf den Meeresgrund. Ihr erstes Auftreten war im Unterdevon und am Ende der Kreide waren sie ausgestorben. Auf einem anderen Stein befinden sich Abdrücke kleinerer Muschelsorten. Es sind Zeugen der Vergangenheit und der Geschichte. Vergangenheit und Gegenwart.

 

Es ist „Das Leben am Rhein“.

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