Gernsbach - Katz'scher Garten ein Idyll am Murgufer

Zur Geschichte:

 

Der Katz’sche Garten entstand Anfang des 19. Jahrhunderts. Auf der anderen Straßenseite hatte der Architekt und Baumeister Friedrich Weinbrenner die Villa der Familie Katz erbaut. Ein italienischer Gartenbaumeister soll den Garten im Auftrag der Familie Katz gestaltet haben. Im Jahr 1846 hatte man ihn vergrößert. Anstelle eines Pferdestalles stand hier nun ein Teehaus und wurde zum Mittelpunkt der Wegachsen.

 

Casimir Otto Katz, Spross des Holzindustriellen Casimir Rudolf Katz, heiratete 1881 Johanna Kast. Sie war die Tochter des Holzhändlers Casimir Adolf Kast aus Gernsbach. In den ersten Ehejahren hatte Casimir Otto Katz geschäftlich zu kämpfen, aber ab 1890 ging es der Familie wirtschaftlich sehr gut. Aufträge der Elektrizitätswerke und der staatlichen Postverwaltung brachten sein Geschäft in Aufschwung. Für den Ausbau der Stromwirtschaft und für das Telefonnetz benötigte man imprägnierte Holzstangen. Die konnte Casimir Otto Katz liefern und das bald weltweit. Im Jahr 1913 bezogen Casimir Otto Katz und Familie die Villa in der Bleichstraße und sie übernahmen auch den Garten. Das Katz‘sche Haus galt bald als sehr gastfreundlich. Große Feste wurden darin gefeiert. Johanna Katz hatte sieben Kinder geboren, wovon eines noch in jungen Jahren starb. Ihr Mann war geschäftlich oft unterwegs und so wurde ihr der Garten zu einem besonderen Anliegen. Als Eingang diente ein Portal eines Hauses einer Gernsbacher Murgschifferfamilie aus dem Jahr 1549. Aus Abbrucharbeiten in der Altstadt rettete sie so manches Teil und ließ es in ihrem Garten aufstellen. Bis 1952 prägte sie den Garten wesentlich mit. Johanna Katz verstarb am 16. November 1952.

 

Der Garten wurde in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts für die Allgemeinheit geöffnet. Der Zeitgeist und die Verlegung von Betonplatten hatten dem Garten und der Umgebung tiefe Wunden zugefügt. Die baulichen Einrichtungen zerfielen und der Garten überalterte. Es fehlte die liebevolle Hand von Johanna Katz. Die Besucher blieben aus und der Garten geriet für einige Zeit in Vergessenheit.

 

Manchmal dauert eine gute Sache einfach etwas länger. Ein paar Gernsbacher Bürger hatten das sichere Gefühl aus dem Garten könnte man eine Attraktion für Einheimische, Gäste und Touristen machen. Man war bereit, seine Freizeit zu opfern und wollte die Sache einfach anpacken. Im Jahr 1995 gründete sich der Arbeitskreis Fremdenverkehr und Touristik (AKF) und gleichzeitig der Arbeitskreis Katz’scher Garten. Mit der Stadt Gernsbach, Unterstützung durch den AKF und privaten Sponsoren und in unzähligen Arbeitsstunden des Arbeitskreises Katz’scher Garten gelang dann von 1996 bis 2001 eine unglaubliche Geschichte. Im Juli 2001 schlug die große Stunde. Gernsbach hatte seinen Katz’schen Garten wieder in altem-neuen Glanz.

 

Der Katz‘sche Garten heute:

Oft vorbeigefahren und nie angehalten, weil man nicht ahnte, welches Kleinod sich hinter dem Zaun verbirgt. Es ist ein Rundgang durch die Jahrhunderte begleitet von Pflanzen und Blumen der jeweiligen Jahreszeit. Es ist ein Ort für eine kleine Pause, ein Ort für die Seele und für Pflanzenliebhaber und Hobbygärtner sowieso. Der Garten wird überragt von einer 170 Jahre alten Sumpfzypresse, deren eigentliche Heimat Florida in den USA ist. Dass sie sich hier in Gernsbach sehr wohl fühlt, erkennt man an ihrer Größe. Beeindruckend sind auch die zwei Magnolienbäume. Laut Baedecker Reiseführer aus dem 19. Jahrhundert sollen sie die ältesten Magnolienbäume nördlich der Alpen sein. Ein Blickfang für alle Augen ist die Barockanlage, grüne Randelemente mit weißem Zierkies ausgelegt. Als Mittelpunkt dominiert der Brunnen mit schmiedeeisernen Bögen und der symbolischen Weltkugel an der Spitze. Johanna Katz hat den Brunnen entdeckt und hier in ihrem Garten aufstellen lassen. Zeitmäßig einzuordnen etwa um 1750 herum. Selbstverständlich hat der Brunnen auch seinen Froschkönig. Er thront dort zwischen weißen und rosafarbenen Seerosen.

Raritäten von außergewöhnlicher Größe und Schönheit findet man im Palmengarten.

 

Erwähnt werden sollen hier nur die Honigpalme aus Chile und Trachycarpus wagnerianus (Wagners Hanfpalme), die im sonnigen und geschützten Bereich an der Südwand der Anlage prächtig gedeihen. Zu beachtlicher Größe sind auch die Japanischen Faserbananen herangewachsen. Bis zu 4 Meter hoch können sie werden und bei guter Sonne gibt es auch kleine Früchte. Vorbei geht es am Kegelkreuz, Spätgotik 15. Jahrhundert. Es ist eines der ältesten Sühnekreuze im Landkreis Rastatt. Von einem Sockel grüßt Gott Merkurius (Barock um 1690). Dann ein Kirchenkreuz mit Wetterfahne. Es stammt vom Abriss der alten Ottenauer Kirche und dürfte um das Jahr 1749 einzuordnen sein. Ein Brunnenstock „Hofstätte“ von 1511. Er stammt aus dem Kondominatsbrunnen der im Jahr 1826 ausgetauscht wurde.

 

Abgegrenzt zum Murgvorland wird der Garten durch eine Bundsandsteinmauer mit spätgotischem Geländer. Davor blühen Rosen. Das Geländer stammt aus dem ehemaligen Garten des Ebersteiner Hofes. Das Murgvorland hatte mittels mangelnder Pflege bereits ein Eigenleben entwickelt. Mit Büschen und Bäumen fast zugewachsen forderte es den vollen Einsatz des Arbeitskreises. Was dabei herauskam, kann sich sehen lassen. Über eine Sandsteintreppe erreicht man den Iris- und Liliengarten an der Murg. Im Frühjahr blühen diese in allen Farben und in voller Pracht. Der Garten wird nach hinten begrenzt durch einen Feigenbaum. Sitzbänke laden zu einer Ruhepause ein. Ein Idyllisches Plätzchen mit Blick über die Murg auf die Häuserzeile gegenüber mit der Brückenmühle.

 

Der Garten ist nicht sehr groß. Sicher ist, es gäbe diesen Garten nicht ohne die Sammelleidenschaft von Johanna Katz. Manches ihrer Sammelstücke wäre wohl zerstört, abtransportiert  und auf einer Abraumhalde gelandet. Auf einem Foto wirkt sie eher unscheinbar. Die Haare durch einen Scheitel getrennt und nach hinten genommen. Eine weiße Bluse mit ausgelegtem Kragen und ein graues Jäckchen darüber. Im schmalen Gesicht ein kleines Lächeln. Sie muss ein Feingefühl für Kunst gehabt haben. Ihr verdanken wir die geschichtlich sehr wertvolle Sammlung von Steinhauerarbeiten und Skulpturen, die ansonsten der Zerstörung oder dem Verfall preisgegeben worden wären.

 

Umso wertvoller ist die Leistung des Arbeitskreises Katz’scher Garten. Der Gartenwurde wiederbelebt. Die Sammlerstücke und Bauwerke bleiben für die Nachwelt erhalten. Der Besucher wird in sieben verschiedene Zeitepochen entführt, beginnend vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert. Drumherum ein Blütenmeer den Jahreszeiten entsprechend. Ein Rundgang lohnt sich und auch eine kleine Verschnaufpause am Murgufer, bevor man zurückkehrt in den lauten Alltag.

 

Öffnungszeiten: Ab Frühlingsanfang 20. März ist der Garten täglich von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Im Oktober erfolgt die Schließung bei Beginn der Dunkelheit. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter: www.katzscher-garten.de

 

Anfahrt: Richtung Freudenstadt auf der B 462 bis Gernsbach. Vor dem Tunnelportal rechts in Richtung Stadtmitte. Nach 600 Meter an der rechten Seite Bleichstraße Nr. 9. Parkplätze sind gebührenpflichtig. Beim Bahnhof gibt es kostenlose Parkplätze. Von dort ist der Garten in ca. 300 Metern zu Fuß erreichbar.

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Verlag:  Klöpfer, Ottersweier


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