floh

Floh ist mittlerweile 18 Jahre alt. Und manchmal habe ich das Gefühl, man merkt es ihr auch an. Sie ist ruhiger geworden, gemütlicher, schläft viel und seit dem Umzug hat sie den großen Balkon für sich. In den Garten gehen wir beide gemeinsam. Die Straße ist zwar eine 30iger-Zone, aber niemand hält sich daran. In ihrem Alter würde sie da wahrscheinlich nicht lange überleben.

 

Als wir sie bekamen, war sie gerade mal eine Handvoll Kätzchen. Es war im September des Jahres 2000. Wir waren gerade aus Südtirol aus dem Urlaub gekommen. Mein letzter Urlaubstag war zu Ende und am nächsten Morgen sollte nach 3 Wochen Urlaub die Arbeit wieder beginnen. Es war mitten in der Nacht, als unser Sohn in der Wohnung stand und meinte, er hätte etwas mitgebracht. Es war ein Kätzchen, das gerade mal in seine Hand passte.

 

Das Kätzchen war ihm in das Auto gehüpft als er die Tür aufgeschlossen hatte. Also trug er sie an die nächste Hausecke zurück. Er war wieder bei seinem Auto und das Kätzchen kurz darauf auch im Auto. Also entschloss er sich, sie mitzunehmen. Er wollte das kleine Kätzchen nicht alleine auf der Straße zurücklassen.

 

Wir legten ein großes Handtuch auf seinem Bett aus und legten das Kätzchen darauf. Etwas gekochten Schinken hatte ich noch im Haus und schnitt daraus ganz kleine Stücke. Etwas Wasser in ein Schälchen. Das Kätzchen war zufrieden und schlief kurz darauf ein. Es war sehr geschwächt und wir wussten ja auch nicht, wie lange sie schon ohne Nahrung unterwegs war.

 

Am nächsten Tag ging ich zur Arbeit, nahm aber gleich den Nachmittag frei. Das Kätzchen musste zum Tierarzt. Der war sehr besorgt, verpasste ihr Spritzen und wir bekamen Medikamente. Ob wir sie wohl durchbringen, war unsere größte Sorge. Doch zunächst galt die Frage wem die Katze gehörte. Also gaben wir eine Annonce auf. Es meldete sich niemand. Im Nachhinein gestanden wir uns ein, dass wir das auch gehofft hatten. Wir hatten uns einfach schon zu sehr an "Floh" gewöhnt. Den Namen gaben wir ihr, weil sie voller Flöhe war, als wir sie auf-

nahmen.

 

Katzen sind zäh und Floh ging es von Tag zu Tag besser. Mittlerweile hatten wir auch alles besorgt was ein Katzenbesitzer so braucht. Das Katzen-WC hatte seinen Platz im Bad. Die Näpfchen für Futter und Wasser hatten ihren festen Platz in der Küche. Spielzeug war natürlich auch schon vorhanden und den festen Schlafplatz auf dem Bett unseres Sohnes ließ sie sich nicht mehr nehmen.

 

Nach ein paar Tagen hatten wir ein großes Problem. Floh wollte keine Hauskatze sein. Sie hatte von ihrem Leben andere Vorstellungen. Sie wollte raus und die Umgebung erkunden. Was tun? Ich kaufte eine ganz kleine Hundeleine mit Geschirr und zog nach Feierabend mit ihr los. Wir wurden zum Dorfgespräch. Ich wurde nach Feierabend mit lautem Miauen an der Wohnungstür erwartet. Ich konnte gerade noch meine Tasche und die Einkäufe abstellen. Dann legte ich Floh das Hundegeschirr an und wir gingen raus auf einen Spaziergang. Man lächelte über uns und sprach mich an. Ich erklärte, dass das Kätzchen noch zu klein sei, um es alleine auf Tour zu lassen. Ich möchte nicht wissen, was so mancher Passant über mich gedacht hat. Es war mir eigentlich auch egal. Die Sicherheit von Floh ging vor.

 

Nach ein paar Wochen wagten wir es dann und ließen Floh alleine auf Tour. Sie war annähernd zwei Stunden verschwunden und wir voller Sorge. Wir fanden sie dann in der nächsten Straße wie sie fröhlich auf einem umgestürzten Baum herumkletterte und uns miauend begrüßte.

 

Nun stellte sich die nächste Frage: Wie soll die Katze tagsüber raus aus der Wohnung und auch wieder rein wenn ihr danach ist? Das Haus lag am Hang und wir wohnten quasi im 1. Stock mit einem großen Balkon. Auch da fand sich eine Lösung. Ein Holzpfahl mit Eisenspitze ließen wir in die Erde rammen, angelehnt an unseren Balkon. Am Pfahl wurden versetzt kleine Holzplatten als Treppen angebracht. Auf diese Holzplatten wurden Teppichreste genagelt. Einmal mit Schinkenstückchen den Weg gezeigt und Floh hatte es verstanden. Die Ballkontür blieb etwas offen und so konnte sie rein und raus wann sie es wollte.

 

Floh hat uns als kleine Katze so manche Nerven gekostet. Wir sahen sie an einem Morgen am Haus gegenüber am Schneefanggitter entlang laufen. Mein Mann stieg über die Garage hoch zum Dach. Floh ließ sich nicht helfen, sondern sprang mit einem Sprung herab auf den Boden. Dann saß sie bei einem anderen Nachbarn wieder auf dem Dach. Mein Mann stellte auf einen Gartentisch einen Stuhl und wollte sie holen. Ergebnis: Mein Mann lag auf dem Boden und Floh schleckte ihn ab. Es gäbe noch mehr so Geschichten zu erzählen. Floh hat in ihren jungen Jahren unser Leben in jeder Beziehung bereichert.

 

Mittlerweile sind wir umgezogen. Natürlich auf dem Land geblieben und in eine 30iger-Zone. Nur, das nimmt hier niemand wahr. Floh würde das nicht lange überleben. Die Wohnung liegt im Erdgeschoss, hat einen großen Balkon und direkt davor ist eine Wiese. Floh, mittlerweile ein älteres Mädchen, genießt es auf dem Balkon zu liegen und zu dösen. Raus geht sie entweder mit meinem Mann oder mit mir. Alleine wäre viel zu gefährlich für sie. Floh ist in der Nacht in der Wohnung und schläft oft auf meinem Bett am Fußende. Spätestens um 5.30 Uhr am Morgen hat sie gewaltigen Hunger. Da ich unter der Woche früh aufstehe, ist das der Zeitpunkt für ihr erstes Futter. Auch am Wochenende!

 

Sie hat uns fest im Griff unsere Floh. Wir lieben sie und hoffen, dass sie noch lange bei uns bleibt. Wir tun alles dafür, denn in dem Moment, in dem man sich für die Aufnahme einer Katze entscheidet, übernimmt man auch Verantwortung. Für ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit. Darüber sollte sich jeder im Klaren sein, der eine Katze in seinen Haushalt aufnimmt. Aber, obwohl Katzen ihren eigenen Kopf haben, geben sie auch viel zurück. Das bemerkt man sehr deutlich, wenn man eine Katze krault und streichelt. Man wird selbst ganz ruhig und entspannt dabei. Es ist schön, das Leben mit einer Katze und immer wieder interessant!

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